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AbstractDer Aufsatz »Die Problematik der Problematik« gibt einen kleinen Einblick in die bisherige Diskussion rund um die Frage nach dem vereinheitlichten Informationsbegriff. Er beschränkt sich dabei auf den Aspekt, inwieweit diese Fragestellung überhaupt als ein relevantes Problem in der Wissenschaftsgemeinde wahrgenommen und beurteilt wird. Der Artikel macht deutlich, dass schon zur Frage als solche ganz widersprüchliche Meinungen implizit oder explizit vertreten werden; ganz zu schweigen von dem Wirrwarr rund um die Klärung des Informationsbegriffs selbst. Die fünf hier vorgestellten Grundpositionen lauten: 1. Die Frage nach der Information ist ausreichend geklärt. 2. Das Problem hat keine ausreichende Relevanz. 3. Es kann prinzipiell keine fächerübergreifende Informationsdefinition geben. 4. Die Frage ist zumindest ein offenes Problem der Informatik 5. Es fehlt eine vereinheitlichte Informationsdefinition; wir haben es also mit einem Disziplinen übergreifenden Grundproblem der Wissenschaft zu tun. Die Problematik der ProblematikInformation? Selbst über die Frage als solche ist sich die Wissenschaft nicht einig.In dem Artikel »Was ist Information?« wurde die Frage nach dem ungeklärten Phänomen der Information und der ausstehenden Definition eines vereinheitlichten Informationsbegriffs aufgeworfen. Aber damit allein ist die Problemsituation noch nicht ausreichend charakterisiert, denn selbst über die Fragestellung als solche, inwieweit sie als beantwortet gelten muss und welche Relevanz sie tatsächlich beanspruchen kann, ist sich die Wissenschaftsgemeinde nicht einig. So es gibt, neben einer bunten Vielfalt unterschiedlichster Informationsdefinitionen — unten werden einige konkrete Untersuchungen dazu aufgeführt —, auch zur Einschätzung der Kernfrage als solche, eine ganz gemischte Palette sich teilweise diametral widersprechender Grundpositionen. Diesen Umstand wollen wir uns näher ansehen. Fokussiert also auf die Frage nach der Frage, auf die Problematik der Problematik möchte ich im Folgenden einen kurzen Überblick über ein bemerkenswertes Tohuwabohu verschaffen. Was man nicht so alles glaubt, ...Im Großen und Ganzen sieht die Wissenschaft – und im Wesentlichen auch die Philosophie – in dem ungeklärten Informationsbegriff kein besonders schwerwiegendes Problem. Bekanntermaßen ist die Wissenschaftswelt voll von Argumenten, Thesen und Urteilen, die sich gern und häufig des Informationsbegriffs bedienen. Zudem erfreut er sich allseits großer Beliebtheit als Rohstofflieferant für wissenschaftlich klingendes Füllmaterial und andere schöne Sonntagsreden. Die extensive und gleichzeitig unproblematisierte Verwendung des Informationsbegriffs lässt mit nur geringem Zweifel darauf schließen, dass die Mehrzahl der Wissenschaftler offenbar davon ausgeht, dass ohnehin schon alles geklärt wäre. Immerhin gibt es doch die oft zitierte und wohlbekannte Informationstheorie von Claude Shannon. Und ohnehin wisse doch wohl die Wissenschaft ganz genau, was sie da eigentlich tut. Diese etwas schlichte Wissenschaftstheorie liest sich aus durchaus renommierter Feder beispielsweise so: „Es waren die Kybernetik und die eng mit ihr zusammenhängenden Gebiete der Systemwissenschaften und der Informationstheorie, die es ermöglicht haben, die dritte Grundgröße der Natur, Information, zu verstehen, zu erklären und sie schließlich systematisch zu nutzen.“ (Quelle: [Malik-04]) (Eine Aussage, die sich offenkundig auf die unten angeführte, so genannte "Informationsdefinition" von Norbert Wiener beruft.) Diese fast herzenserwärmende Zuversicht in die Rationalität wissenschaftlicher Vorgehensweise habe ich einem Aufsatz des hoch anerkannten Wirtschaftswissenschaftlers Fredmund Malik entnommen. Und gerade als Management-Berater und Kolumnist darf er als ein wesentlicher Multiplikator solcherlei Positionen angenommen werden. Allerdings hat Malik in seinem Glaubensbekenntnis nur das in klare Worte gefasst, was ohnehin allgemein als sicher gilt: Die Wissenschaft ist überaus erfolgreich, also muss gerade sie doch wissen, was sie da eigentlich treibt. Ich habe großes und wirklich ironiefreies Verständnis für diesen festen Glauben, denn ich habe diesem Dogma bis vor wenigen Jahren selbst angehangen – gleichwohl: Wie jedes andere Dogma, so ist auch dieses ein falsches und ein gefährliches und Aufklärung tut Not. Der Informationsbegriff gibt uns einigen Anlass und reichlich Gelegenheit dazu, denn schon die Spannweite und Widersprüchlichkeit der Aussagen, die die Wissenschaft zur Frage nach dem Informationsbegriff macht und die ich hier nur schlaglichtartig gegenüberstelle, lassen erahnen, wie wenig die Wissenschaft mitunter mit Wissen zu tun hat. Das an sich wäre noch kein wirkliches Problem, wenn nicht die Selbst- und Fremddarstellungen der Wissenschaft ein fast ungebrochenes Bild ihres so genannten »objektiven« Wissens zeichnen würden. Es gibt jedoch viele gute Gründe, an der Berechtigung dieses Anspruchs zu zweifeln. Auch wenn es immer wieder und wieder versucht wurde, auch die Wissenschaftstheorie - als ein Fachgebiet der Philosophie - hat bis heute noch keine wirklich plausible und überzeugende Antwort darauf gefunden, wie dieser herausgehobene Wissensanspruch eigentlich zu rechtfertigen wäre. Aber woher holt sich denn die Wissenschaft ihre Autorität, die ihr zweifellos auf breiter Front zuerkannt wird? Der Grund ist so schlicht wie einfach: Wer Erfolg hat, hat auch Recht. Man hält die Wissenschaft für überdurchschnittlich erfolgreich und das scheint alles Denken und Handeln zu bestätigen. Aber gerade dieses Merkmal taugt nicht viel, denn es lässt sich auch bei Ideologien jeder anderen Couleur feststellen. Doch kehren wir zum eigentlichen Thema zurück. ... nicht wissen zu müssen ...Die Wissenschaft hat so ihre ganz eigenen Methoden entwickelt, um mit ihrer Unwissenheit umzugehen. Kraft ihrer wissenschaftlichen Autorität kann sie beispielsweise eine Fragestellung schlichtweg für irrelevant erklären. Es ist natürlich kein leichtes Unterfangen dagegenzuhalten, wenn sich gerade die vermeintlichen oder tatsächlichen Fachleute darin einig zeigen, dass dieses oder jenes Problem doch gar keines sei ... Vergleichbare Reaktionen auf das Nicht-Wissen um den Informationsbegriff weiß auch Daniel F. Flückiger zu berichten: „Offenbar hat sich die Fachwelt mit den ungelösten Problemen um die Begriffsdefinition abgefunden und begnügt sich mit den Ergebnissen, welche auf Shannons Informationsbegriff bauen. In gewissen technisch-wissenschaftlichen Kreisen ist sogar eine Art Bunkermentalität festzustellen, indem der Versuch, den Informationsbegriff auf andere Bereiche als den rein nachrichtentechnischen Bereich anzuwenden, als nutzlose Spekulation abgetan wird.“ [Flückiger-95] S.20 ... oder nicht wissen zu können ...Aber rund um den Informationsbegriff gibt es nichts, was es nicht gäbe. Denn da wäre auch noch die Fraktion, die vermeintlich oder tatsächlich Beweise dafür anführt, dass es prinzipiell keinen einheitlichen Informationsbegriff geben könne: In [In-formatio-95] wird das dort so benannte Capurro'sche Trilemma beschrieben, aus dem nach Meinung der Autoren folgender Schluss zu ziehen ist: Jürgen Reischer nimmt diesen Ansatz auf und führt eine gründliche Untersuchung in [Reischer-04] durch. Diese lässt ihn mit einer etwas anderen Erklärungslinie zu einem sehr ähnlichen Schluss kommen: „Die Suche nach einem einheitlichen Informationsbegriff oder gar nach dem »Wesen« der Information ist [...] schon aus prinzipiellen Gründen aussichtslos.“ Reischers Aufsatz führt allerdings eine besonders mutige Argumentationsform aus, die aus unserem derzeitigen alltagssprachlichen Gebrauch des Informationsbegriffs auf die prinzipielle Unmöglichkeit einer vereinheitlichten Informationsdefinition schließen zu können glaubt. Woher Reischer sein Vertrauen in die prophetische Intelligenz unserer heutigen Sprachgepflogenheiten nimmt, erschließt sich mir allerdings auch nach längerer Überlegung nicht. Aber kommen wir zum nächsten Punkt. Ich erlaube mir hier, auch das oft zitierte Diktum von Norbert Wiener in die Rubrik des Nicht-Wissen-Könnens einzusortieren: „Information ist Information, weder Materie noch Energie.“ [Wiener-48]. Denn was ist es anderes als eine blanke Kapitulation, wenn man versucht, einen Begriff durch sich selbst zu definieren? Es wurde viel darüber diskutiert, was Wiener wohl damit gemeint haben mag und nicht wenige sind darum zu der Meinung gelangt, er habe durch seine Aussage mehr zu einer Verwirrung als zu einer Klärung des Informationsbegriffs beigetragen. (vgl. [Ott-04] S. 147 ff.) Wilhelm Steinmüller sah sich etwa dazu veranlasst, den Wiener'schen Definitionsversuch als eine „»mystische« Umschreibung der Information“ zu bezeichnen [Steinmüller-81]. ... und doch – man glaubt es kaum ...Aber immerhin, bei entsprechend gründlicher Recherche, lassen sich hier und dort auch die Stimmen finden, die das Definitionsproblem klar benennen und die es bewältigt sehen möchten, und die es darum auch nicht an der immer wieder notwendigen Deutlichkeit vermissen lassen. Anzahl und Inhalt der folgenden Zitate müssen allerdings mit der kaum bezifferbaren Menge von Publikationen in Relation gesetzt werden, die den Informationsbegriff in argloser Unreflektiertheit, aber bei vollem wissenschaftlichen Anspruch für ihre Behauptungen und Argumentationen in die Waagschale werfen. Dann nämlich schrumpfen die hier aufgeführten kritischen Einwände zu einer marginalen, kaum wahrnehmbaren Randerscheinung zusammen. Und so ganz nebenbei bestätigt sich wieder einmal: Durch Zitate lässt sich belegen, was immer man möchte. Aber gerade das Implizite, das als das Unbewusste oft ebenso wichtig ist, wie das explizit Ausgesprochene, hat dummerweise den Hang, sich einer Zitation weitgehend zu entziehen. „Eine einheitliche Theorie der Information, welche die unterschiedlichsten Facetten der Verwendung des Begriffs auf einen gemeinsamen Nenner brächte, steht bis heute aus.“ - [Grundbegriffe-05] „Ein großes Elend – Die Informationsgesellschaft kann sich nicht einigen über den Begriff Information“. Titel und Untertitel eines Artikels von Helmut Klemm: [Klemm-03]. „Noch gibt es aber keinen einheitlichen, von der Mehrheit der Wissenschaftstreibenden anerkannten Informationsbegriff.“ - [Informationsbegriff-02] S.242 „Trotz der seit Jahrzehnten andauernden Diskussion ist die Verwirrung um den Informationsbegriff nicht geringer geworden.“ - [Greis-06] S. 7 ... auch Shannon wird kritisiertBesonders viel Schelte wird der Shannon'schen Informationstheorie zugedacht. Obwohl oder vermutlich gerade dewegen, weil sie seit Jahrzehnten auf breiter Front als die Informationstheorie schlechthin präsentiert wurde und wird. Aber allmählich spricht sich die Erkenntnis herum, dass es mit der allgemeinen Erklärungskraft dieser Theorie, jedenfalls soweit es den eigentlichen Informationsbegriff betrifft, nicht gerade zum Besten bestellt ist: Schon 1969 bemerkte kein geringerer als Konrad Zuse: „Die leichtfertige Übertragung der Begriffe der Informationstheorie auf Nachbargebiete der Nachrichtenübertragung führt leider oft zu Unklarheiten." - [Zuse-69]. Man sieht also, die Kritik an der klassischen Informationstheorie ist nicht nur neueren Datums. Allein, dieser Umstand hat bisher in den Lehrbüchern und anderen Publikationen der Informatiker so gut wie keine Spuren hinterlassen. „Was sich Informationstheorie nennt, ist nicht eine Theorie der Information, sondern nur eine Theorie der Kanalkapazität.“ - [Zemanek-04] S.167 In [Klemm-03] wird Karl Steinbuch zitiert, wie er desinteressiert abgewinkt habe: „Die Shannon'sche Informationstheorie ist im Zusammenhang mit dem Computer praktisch nutzlos.“ In seinem Artikel „Informationstheorie: Der Jahrhundertbluff“ führt Robert Fugmann aus: „Durch die ungerechtfertigte Beanspruchung und Durchsetzung von Zuständigkeit für das Gesamtgebiet der Information hat die Informations-Theorie weitverbreitet großen Schaden verursacht.“ - [Fugmann-T1]. Die Verantwortung für diesen Missstand sieht Fugmann allein auf der Seite von Claude Shannon, weil dieser sich bei der Benennung seines mathematischen Formalismus des Entropie-Begriffs bedient hat - nach Fugmann das „terminologische Husarenstück“ von Shannon [Fugmann-T2]. Allerdings dürfte diese Erklärung doch etwas zu simpel sein. Richtig daran ist — und dies wurde von Shannon selbst kolportiert (nach [Janich-06] S. 59) —, dass es sich bei der fraglichen Namensgebung auch um einen kleinen, von John v. Neumann vorgeschlagenen Marketing-Gag gehandelt hat. Diese kleine Anekdote wird sonst eher mit einem nachsichtigen Schmunzeln weitergetragen, wie z.B. von Klaus Kornwachs in [Schuh-06], wo er dies als eine „bombastische“ Wortwahl bezeichnet, aber ansonsten nichts Ehrenrühriges daran finden kann: „Also die Kollegen und Kolleginnen am MIT, die wussten schon, wie man was verkauft.“ Zu eng sollte man diese Angelegenheit tatsächlich nicht sehen, denn auch ich möchte zugunsten der Wissenschaft lieber nicht daran glauben, dass schon eine besonders glückliche oder unglückliche Benennung eines einzelnen mathematischen Funktionswertes ausgereicht hat, um einen „Jahrhundertbluff“ in der Wissenschaft durchzuziehen. Für dermaßen naiv halte selbst ich die Wissenschaft nicht ... Denn um hier nicht missverstanden zu werden: An der Informationstheorie von Shannon ist gar nichts auszusetzen. Jedenfalls solange nicht, wie sie im Rahmen dessen verwendet wird, wozu sie ursprünglich entwickelt wurde. Sie ist aus gutem Grund ein sehr erfolgreiches und unverzichtbares Hilfsmittel der Datenübertragungs-, Speicher- und Verschlüsselungstechnik. Falsch ist nur – und dies ist sicher nicht Shannon vorzuwerfen – wenn sie immer wieder als die Informationstheorie schlechthin ins Feld geführt wird. Denn ebenso wenig wie durch die Erfindung der Waage erklärt wurde, was Masse ist, ebenso wenig wird durch die Shannon'sche Theorie geklärt, was Information ist. Worum es eigentlich gehtWie ich in der Einleitung schon betont habe, geht es mir nicht um die Informationsdefinition als solche. Ich möchte hier keine Wortklauberei vom Zaun brechen und mir ist auch nicht daran gelegen, einen gold umrandeten Spruch dekorativ an die Wand hängen zu können. Nein, es geht mir zuallererst um den folgenden Fragenkomplex: Was ist eigentlich ein Computer? Was ist das, was er verarbeitet? Was ist Software? Was tun wir tatsächlich, wenn wir programmieren? Welches Naturgesetz oder welche Naturgegebenheit ermöglicht es uns, erfolgreich Computer zu bauen und für uns nutzbringend zu betreiben? Derartige Fragen werden in der Regel als unnötiges philosophisches Beiwerk abqualifiziert, das bestenfalls unschädlich ist. Es führe ja doch zu nichts und nicht wenige Wissenschaftler lehnen ein solches, vermeintlich unfruchtbares Treiben verständnislos ab. Aber vielleicht stören solche Fragen auch nur das angenehm wohlige Gefühl, alles bestens im Griff zu haben? Und doch, immerhin, so ganz allein stehe ich mit meinem Fragenkatalog nicht da, denn Peter Rechenberg spricht mir in [Rechenberg-00] (S.300) aus dem Herzen. Nicht nur, dass er das Problem genau dort verortet, wo ich es auch sehe: „Möglicherweise wird man [die Informatik] eines Tages noch anders, unter einem vereinheitlichenden neuen, noch nicht vorhandenen Begriff sehen.“, sondern er zieht im nächsten Satz auch jenes deutliche Resümee, das ich bisher nur bei ihm gefunden habe, und welches ich ganz dick unterstreichen möchte: „Mir scheint, daß wir, von den theoretischen Grundlagen her betrachtet, noch gar nicht wissen, was eigentlich der Kern der Informatik, die Essenz von Computern ist." Auch Hans D. Hellige kommt bei seiner Betrachtung der Informatik als Wissenschaftsfach zu einer ähnlichen Einschätzung. So schreibt er von einer „noch immer nicht zum Abschluß gekommenen Disziplinwerdung des Faches“ und attestiert, dass „die Bemühungen, die Informatik als ein geschlossenes Theoriegebäude auf der Grundlage "letzter Theorien" zu begründen, vorerst gescheitert sind“ [Hellige-04] Eine Verbindung dieser Aussage zum Begriff der Information herzustellen ist nicht schwer, denn es heißt doch ganz offiziell: „Die Informatik ist die Wissenschaft, Technik und Anwendung von der Informationsverarbeitung und den Systemen zur Verarbeitung, Speicherung und Übertragung von Information." - [Stellungnahme-91]. Darf's ein bisschen mehr sein?Ein weiteres, kaum von der Hand zu weisendes Indiz für den Klärungsbedarf des Informationsbegriffs besteht in seiner inflationären Definitionsvielfalt. Die sich hierum rankende babylonische Sprachenverwirrung hat mittlerweile schon Tradition. Bereits im Jahr 1970 kommt Gernot Wersig auf 30 Informationsdefinitionen und kommentiert diesen Befund mit den Worten: „die Vielfalt ist erschreckend“. - zitiert nach [Klemm-03]. Hartwig Mackeprang zählt 1987 in seiner Dissertation 121 verschiedene Definitionen, die er in sieben unterschiedliche Klassen einteilt. - [Mackeprang-87] Sascha Ott konzentriert sich 2004 auf die eher bekannteren Autoren, zitiert aber dennoch von A wie Afanasjew bis Z wie Zemanek eine Liste von 80 Definitionen des Informationsbegriffs. - [Ott-04] S. 333 Aber was zuviel ist, ist zuvielBei einem Gemüsestand ist die bunte Vielfalt sicherlich ein sehr begrüßenswerter Umstand; jeder kann sich nehmen, was er mag und was er braucht. Aber bei wissenschaftlichen Theorien, das ist unter den Wissenschafttheoretikern unumstritten, ist das Gegenteil von Klasse auf jeden Fall die große Masse. Je mehr unterschiedliche Erklärungen und Theorien zu einem zusammenhängenden Phänomenbereich abgegeben werden, desto sicherer ist es, dass hier ein grundlegendes Problem dringend einer Klärung bedarf. Für die Rechtfertigung dieser These liefert uns die Wissenschaftsgeschichte zahlreiche Beispiele. So führt etwa Thomas S. Kuhn in seinem Klassiker «Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen» den paradigmatischen Fall der Phlogistontheorie an: „Kurz nach 1770 [...] gab es fast so viele Versionen der Phlogistontheorie, wie es Anhänger der pneumatischen Chemie gab. Diese Wucherung von Versionen einer Theorie ist ein typisches Symptom einer Krise.“ (Quelle: [Kuhn-96] S. 83). Neben diesem führt Kuhn noch viele ähnlich gelagerte Fälle auf. Ich denke, man kann die vermutlich gar nicht so kühne These wagen, dass das Informationsphänomen diesbezüglich eine historische Glanzleistung aufzubieten hat. Vermutlich hat bisher noch nie eine empirisch so leicht nachzuweisende Erscheinung für mehr Verwirrung gesorgt und mehr Erklärungsansätze provoziert als gerade das, was wir mit dem Namen »Information« belegt haben. Aber mit Sicherheit wurde auch noch niemals ein einzelnes Phänomen ausgemacht, das eine dermaßen breite Erscheinungsvielfalt hatte. (Ob es allerdings ein einzelnes ist, auch darüber streiten die Gelehrten noch.) »Information« wird bei der profanen Betätigung einer Türklingel erzeugt und ihre Relevanz reicht bis zu erkenntnistheoretischen Fragen, was Denken ist und was wir überhaupt von uns und unserer Welt wissen können. Es stellt sich eher die Frage, woran denn das Informationsphänomen wohl nicht beteiligt sein mag. Umso kritischer ist es, dass wir es immer noch nicht wirklich einzuordnen wissen. Es verträgt sich einfach nicht mit unserer Vorstellung vom objektiven Wissen, wenn man einen »Gegenstand« auf zigfache Weise definiert, erklärt und beschreibt. Es sei denn, dass sich diese Erklärungen einander ergänzen, aber das tun all die Informationsdefinitionen nicht. Teilweise widersprechen sie sich, aber auf jeden Fall ist jede für sich als alleinige oder fachspezifische Alternative zu all den anderen Definitionen entwickelt und aufgestellt worden. Hat Ihnen der Text gefallen? Haben sich Fragen ergeben? Was halten
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und bin neugierig auf Ihre Email:
info.584@ Lesen Sie bitte weiter in dem Artikel »An jeder Straßenecke eine Bauruine« in der der Umstand aufgezeigt wird, dass die IT-Branche immer noch vor fundamentalen Problemen bei der Bewältigung ihrer Aufgaben steht. |
© Michael Symonds
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