© Michael Symonds 2008
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Abstract

In der Artikelserie »Was ist Information?« wird die Frage nach einer vereinheitlichten Informationstheorie und der Klärung des immer noch unverstandenen Phänomens der Information aufgeworfen. Anhand verschiedener Argumentationslinien wird die Bedeutung dieser Fragestellung als ein zentrales Schlüsselproblem von Wissenschaft und Philosophie diskutiert und aufgezeigt.

Was ist Information?

Das kaum erkannte Schlüsselproblem heutiger Wissenschaft und Philosophie

Es ist schon oft genug betont worden: Der Begriff der Information hat sich zu einem, wenn nicht sogar zu dem grundlegenden Fachbegriff und modischen Schlagwort heutiger Natur-, Technik, Sozial- und Geisteswissenschaften entwickelt. Dies trifft zumindest dann zu, wenn man als Maßstab seine breite Verwendungsvielfalt in praktisch jeder Wissenschaftsdisziplin heranzieht. Aber ebenso gern, wie man sich seiner blendenden Imaginationskraft bedient, ebenso wenig wird er wirklich verstanden. Die Frage nach der Bedeutung und dem Gegenstand des Informationsbegriffs ist der zentrale blinde Fleck im Gesichtsfeld von Wissenschaft und Philosophie. Dieses fundamentale Grundproblem wird selten als ein solches erkannt und nur von wenigen thematisiert. Aber Tatsache ist, wir wissen es einfach nicht: Was zum Henker ist Information?

In den sechs Artikeln dieser Artikelserie werde ich die Rechtfertigung und Dringlichkeit dieser Frage als ein natur- und geisteswissenschaftliches Schlüsselproblem erörtern und begründen. Die diskutierten Argumentationsebenen werden sehr unterschiedlich sein, aber als zentraler Bezugspunkt wird die so genannte Informationsverarbeitungstechnik dienen: der Computer, die Informatik, die IT-Branche, bisherige Informationstheorien usw. Ausgehend hiervon wird es eine Exkursion in die Technikgeschichte sowie einige wissenschaftstheoretische Betrachtungen geben. Wir werden sehen, dass alle bisherigen Erklärungsansätze zum Informationsphänomen unzureichend sind. Sie können schon nicht das technische Phänomen »Computer« wirklich überzeugend erklären, ganz zu schweigen von sprachphilosophischen oder gar erkenntnistheoretischen Fragestellungen. Und wir werden sehen, dass dieser Umstand immer noch nicht als eines der Schlüsselprobleme unserer Tage erkannt worden ist.

Man kann aber auch – wenn man denn nach Gegenargumenten sucht – die Suche nach der Definition des Informationsbegriffs selbst in Frage stellen. Folgt man etwa Karl Popper, dann richten Was-ist-Fragen weitaus mehr Schaden als Nutzen an. In seiner wie gewohnt bewundernswert klaren Ausdrucksweise lässt er keinen Zweifel darüber aufkommen, wie er zu der Sache steht. Das Problem der essentialistischen Begriffsdefinitionenen sei „eine unerschöpfliche Quelle von Verwirrung“ und jede Disziplin, die diese Definitionsmethode verwendet habe, „blieb in einem Stadium leerer Wortmacherei und in einem unfruchtbaren Scholastizismus stecken“. Und in diesem Tenor geht es ganze fünfzehn Buchseiten weiter. (vgl. [Popper-45] S. 15 – 29). Am Ende kommt er zu dem Schluss, dass „Scholastizismus, Mystizismus, Verzweiflung an der Vernunft [...] die unvermeintlichen Resultate des platonischen und aristotelischen Essentialismus“ seien.

Ein dermaßen apodiktisches Urteil eines solch renommierten Denkers fällt natürlich schwer ins Gewicht, auch wenn Popper bei der Begründung seiner Position leider einige sehr nahe liegende Fragen offen lässt bzw. gar nicht erst stellt. Ich denke, man sollte immer versuchen, selbst der schärfste Kritiker der eigenen Ideen zu sein. Schade, dass hier nicht der Platz ist, auf seine Definitionskritik näher einzugehen.

Aber auf jeden Fall stellt für mich das Popper’sche Diktum eine besonders antreibende Motivation für die Rechtfertigung meiner Frage nach dem Informationsbegriff dar. Ich möchte sie daher so konkret und praxisbezogen wie nur irgend möglich stellen. Die Texte dieser Artikelserie sollen eben dies leisten: Sie sollen die Relevanz und Dringlichkeit der Frage nach dem Begriff und dem Phänomen der Information konkret rechtfertigen und begründen. Diskutiert werden, wie gesagt, in diesen Texten ganz unterschiedliche Aspekte und Argumentationslinien.

Den Anfang macht der Artikel »Die Problematik der Problematik«, der einen kurzen Einblick in die bisherige Diskussion um dieses Thema gibt. Wobei er sich auf den Aspekt beschränkt, inwieweit die Fragestellung als solche überhaupt als ein relevantes Problem in der Wissenschaft wahrgenommen wird. Wie wir sehen werden, ist sich aber die Wissenschaftsgemeinde noch nicht einmal über das Problem als solches einig. Einige kennen die Fragestellung nicht, viele andere halten sie schon für geklärt. Andere wiederum glauben, beweisen zu können, dass sie prinzipiell nicht beantwortbar ist. Aber es gibt auch einige wenige Stimmen, die in groben Zügen mit meiner eigenen Position vergleichbar sind.

In dem nächsten Artikel »An jeder Straßenecke eine Bauruine« geht es letztlich um des Menschen vergebliches Mühen. Und es geht ums Geld, um viel Geld. Um all jenes, das in den immer wieder unzulänglich ablaufenden oder gänzlich scheiternden Entwicklungsprojekten der IT-Branche sinnlos in den Sand gesetzt wird. Ich denke, konkreter kann man eine eher philosophisch klingende Frage einfach nicht begründen.

»Warum funktioniert ein Computer?« Dieser Artikel stellt die Frage nach dem Informationsbegriff, ohne auch nur ein einziges Mal das Wort »Information« zu gebrauchen. Hier wird diese Frage auf Basis eines der Grundprinzipien der Naturwissenschaft überhaupt gestellt: Wir können nichts tun oder erreichen, was uns nicht durch Naturgesetze möglich gemacht werden würde. Welches Naturgesetz aber oder welche Naturgegebenheit macht es uns denn nun möglich, erfolgreich Computer zu bauen und zu betreiben?

In dem Artikel »Kathedralenbau auf tönernen Füßen« werden die historisch-technologischen Rahmenbedingungen beschrieben, in denen die monumantalen Kirchenbauten der Gotik entstanden. Und es werden dabei gewisse Parallelen zum derzeitigen Stand der Softwareentwicklungstechnik aufgezeigt. Vor allem aber zeigt dieser Blick in die Geschichte der Bautechnik, dass man auch ohne wirkliches Wissen durchaus Beeindruckendes leisten kann. Dadurch soll einem naheliegenden Gegenargument einer meiner Grundaussagen zuvorgekommen werden, nach der ich behaupte, dass die Informatik noch ein ganz wesentliches Grundlagenproblem hat. Denn die von mir aufgezeigte historische Sicht soll belegen, dass die möglichen Verweise auf die nach außen sichtbaren technischen Erfolge der Informatik nicht schon beweisen, dass man die theoretischen Grundlagen bereits voll im Griff hat. Dieser Ansatz dürfte wohl bei einigen Informatik-Experten ein nicht geringes Kopfschütteln verursachen. Aber er zeigt auf sehr plastische Weise auf, wie die zahlreichen Bauruinen der IT-Branche – jedenfalls meiner spezifischen Sichtweise nach – erklärt werden können.

In dem Artikel »Vom Logikgatter zum Datenbankmodell« werden wir schließlich in die technischen Details der Computertechnik eintauchen. An ihnen wird dargelegt, warum alle bisherigen Erklärungen, was ein Computer ist und warum er funktioniert, unzulänglich sind. Denn letztlich basieren alle gängigen Erklärungsmuster selbst auf ebenso ungeklärten Phänomenen. Allen voran die Mathematik, die Logik und unsere natürliche Sprache. Und der Artikel macht deutlich, dass es noch eine Erklärung jenseits aller logischen Formalismen und mathematischen Kalküle geben muss.

Ich hoffe, dass ich mit dieser Artikelserie der Popper’schen Skepsis gegenüber Begriffsdefinitionen auf eine nicht ganz unelegante Weise entgegenkommen bin und ihr zugleich auch widersprochen habe. Weil nämlich jede Frage nach einer Begriffsdefinition als eine Frage nach einem konkreten Phänomen aufgefasst werden kann. Denn wenn wir sprechen und in unserer Sprache Begriffe benutzen, dann tun wir das letztlich immer, um uns auf Phänomene zu beziehen, die wir in unserer Welt wahrnehmen. (Jedenfalls soweit unsere Rede nicht-fiktional ist.) Dies gilt unabhängig davon, in welcher Qualität und Angemessenheit dies jeweils geschieht.

Und so ist die Frage nach einem bestimmten Begriff immer auch eine Frage nach uns und der Beschaffenheit unserer Welt und unserem Verhältnis zu unserer Welt. Solange also das Nachdenken über Begriffsdefinitionen nicht zu einem akademischen Strategiespiel im Elfenbeinturm verkommt, solange ist es meiner Ansicht nach eine wichtige Erkenntnisquelle. Es ist ja vor allem dieses weltfremde und selbstgenügsame Sandkastenspiel, das Popper zu Recht an den Pranger stellt. In diesem Punkt gebe ich ihm völlig Recht. Nur leider schüttet Popper das Kind dann gleich mit dem Bade aus.

Die Artikelserie »Was ist Information?« wird abgeschlossen von den »Schlussbemerkungen« und einer »Liste der zitierten Quellen«. Ich hoffe, Sie finden in den Texten einige interessante Gedankenanregungen.

Hat Ihnen der Text gefallen? Haben sich Fragen ergeben? Was halten Sie von der Sache? Ich möchte gern mehr über Sie und Ihre Meinung wissen und bin neugierig auf Ihre Email: info.584@informantum.de¹

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